Schützenverein Langenforth von 1922 e.V.
Schützenverein Langenforth von 1922 e.V.
50 Jahre Damenabteilung



Wir feiern heute die 50 Jährige Erfolgsgeschichte der Damenabteilung des Schützenvereins Langenforth. Aber nicht nur das, wir feiern auch das 50 Jährige fortschrittliche Verhalten der „Herrenabteilung“ dieses Vereins. 

Und schon wird es das erste „Upps“ bei den männlichen Mitgliedern unseres Vereins geben mit dem Einwand, „ wir haben doch keine Herrenabteilung!“ 

Aber doch, die gibt es, auch wenn es den Männern nicht bewusst ist. Denn, wenn alle gleichberechtigt sind, muss es neben der Jugendabteilung und der Damenabteilung auch eine Herrenabteilung geben. Oder gar keine Abteilungen?

Ist deshalb noch eine Mauer vorhanden? 

Seit Jahrhunderten kämpfen die Frauen, und selten sogar einige Männer, für die Gleichberechtigung der Frau in allen Lebenslagen. 

Nun sollte man meinen, dass es in den Nachkriegsjahren, in denen die Gesellschaft überwiegend von Frauen geprägt wurde, einfacher hätte sein müssen, eine gleichberechtigte Gesellschaft aufzubauen. Aber gerade in dieser Zeit haben auch die Frauen versucht, dass vor dem Krieg bestehende und weiterhin vorhandene gewohnte  Weltbild aufrecht zu erhalten. Nach diesem Weltbild war die Frau das denkbar zarteste Geschöpf, auch wenn es nach dem Rubens-Vorbild der Mona Lisa durchaus auch etwas beleibter sein konnte. Schutzwürdig sei das Wesen der Frau, weil es über zerbrechliche Knochen verfüge, ständig in Ohnmacht fiele und der Körper der Frau für den Geburtsvorgang geschützt werden müsste. 

War die Umschreibung des „Zartesten Geschöpfes“ nicht eher als Bezeichnung der von der Männerwelt geforderten Unterwürfigkeit der Frau gemeint? 

Waren die angeblich zerbrechlichen Knochen der Frau nicht darauf zurückzuführen, dass die Frau aus ästhetischen Gründen sich nicht zu viel bewegen durfte, es könnten ja zu verdeckende Körperteile der Frau zu sehen sein? 

Und waren die Ohnmachtsanfälle nicht auf zu eng geschnürte Korsette zurück zu führen, die der Frau die Luft nahmen? 

Nun werden Sie denken, ich gehe zurück ins Mittelalter. Aber ganz und gar nicht! Noch ein Bericht der Bundesregierung im Jahre 1966 zur Frau in Beruf, Familie und Gesellschaft lautete: „Pflegerin und Trösterin soll die Frau sein; Sinnbild  bescheidener Harmonisierung, Ordnungsfaktor in der einzig  verlässlichen Welt des Privaten“: In der Familie.

Nach einem weiteren Zitat der Bundesregierung sollte die Frau „erwerbstätiges und gesellschaftliches Engagement nur eingehen, wenn es die familiäre Anbindung zulässt“.  

Wenn das keine Mauern waren, deren Stärke ein Einreißen fast unerreichbar schienen ließen? 

Nicht für Langenforth und schon gar nicht für die Damen!

Im Jahre 1961 wurde Elisabeth Schwarzhaupt als erste deutsche Frau Ministerin in einem Bundeskabinett. Langenforth hat die Zeichen erkannt und der seinerzeitige erste Vorsitzende, Horst-Otto Wilke, kurz HOW genannt,  davon überzeugt, dass auch die Langenforther Frauen selbständige und mündige Mitglieder sind. Mit der Gründung der Damenabteilung wurden die ersten Steine der Mauer abgetragen.  

1964 wurde Miss Marple im Film „4 Frauen und ein Mord“ die erste kriminalistische Ermittlerin, im Film „16.50 Uhr ab Paddington“ trug sie Hosen. Dies war die Zeit von Coco Chanel, deren Mode erstmals Hosenanzüge für Frauen kreierte. Nun hatten auch die Frauen „die Hosen an“. Dies wurde auch in Langenforth deutlich, denn 1965 konnte der Damenleiter von einer Damenleiterin übernommen werden. Ein großer Schritt zur Selbständigkeit der Damen innerhalb des Vereins. Auch dadurch  wurde die Mauer ein Stück weit eingerissen.

Noch 1963 wurde von den obersten Sportgremien Wettkampfsport für Frauen als unüblich und ungesund bezeichnet, um die Frauen vom männlichen Heiligtum des Sports fernzuhalten. Hiervon ließen sich aber die Langenforther Damen nicht beeindrucken. Die in der Festschrift aufgeführten und von Bärbel Brandt und Claudia Freiberg vorgetragenen Erfolge sprechen für sich. Auch der Deutsche Schützenbund ließ erstmals die gleichberechtigte Teilnahme der Damen am Schießsport 1968 zu, die Langenforther Damen waren dem weit voraus.

Nun lässt Sie die Festschrift vermuten, dass die Langenforther Damen 1973 beim Bau des Schützenhauses in die veraltete Rolle der Frauen mit „Putzen, waschen, flicken, kochen“ zurück gefallen sein könnten. 

Ganz im Gegenteil, denn dies zeigt nur das “Multitalent“ der Langenforther Damen, sich neben dem noch immer bestehenden Frauenbild als sozialer Verbindungspunkt der Familie auch anderen, eigenen Interessen zu widmen, wozu auch das Interesse gehörte, an dem  Bau und der Erhaltung der für das Training erforderlichen Anlage mitzuwirken. Sportliche Erfolge blieben auch weiterhin nicht aus und wurden dann auch in der seinerzeit noch für Frauen unüblichen Sportart des Vorderladerschießens erreicht.

Wenn man bedenkt, dass Frauen für das Biathlon erst 1980 und für die Disziplin der Luftpistole im Bundeskader erst 1985 zugelassen wurden, sind das herausragende Erfolge gewesen.  

Wussten Sie, dass Frauen erst seit 1977 eine Erwerbstätigkeit ohne Erlaubnis ihres Ehemannes aufnehmen durften? Die Männer wurden zunehmend von Gesetzes wegen in die Offensive gestellt. Die über Jahrhunderte geübte soziale Kompetenz der Frauen wurde nun durch die neuen Ehegesetze verstärkt, die alten stärkeren  Rechte der Männer geschwächt. In Langenforth war das aber ohnehin schon so. 

Vielleicht ist Rolf Franz seinerzeit, wie auf Seite 3 der Festschrift dargestellt, dieser Stärke der Frauen zum Opfer gefallen?  Oder hat gerade an diesem Tag ein weiterer Umschwung im Denken der Herren stattgefunden? 

Nein, denn im Jahre 1980 war dies in Anbetracht der Einführung des Anspruchs auf Gleichstellung der Frau im Grundgesetz und der überwiegenden Belächelung der Männer in Führungspositionen ob  dieser Regelung ein für die Langenforther Herren normales Verhalten, sich neben den Frauen in der Öffentlichkeit zu präsentieren und  auch die Gleichstellung der Männer gegenüber den  Kompetenzen der Frauen einzufordern. Und die Langenforther Damen machen jeden Spaß mit, wie die Bildwände zeigen. Die Damen des Schützenvereins Langenforth haben in der Vergangenheit gezeigt, dass sie sich, unterstützt von den Herren, als gleichberechtigter Teil eines großen Ganzen verstehen

Schauen Sie sich einmal die Fotos auf den Stellwänden an, dort ist überdeutlich zu sehen, dass in Langenforth Herren und Damen in trauter Zweisamkeit feiern konnten und können. Keine Frage, die Damen sind seit 1961 eine starke Kraft im Schützenverein Langenforth.

1992 wurde Annemarie Renger erste Bundestagspräsidentin und 1993 Heide Simonis erste Ministerpräsidentin. 

Für Langenforth war dies nichts Besonderes, seit dem Bestand der Damenabteilung gab es immer „Frauen in Führungspositionen“. Und nicht nur als Damenleiterin, unsere derzeitige Schatzmeisterin ist fast schon „lebendes Inventar“ des Vorstandes .

1994 wurde das Gleichstellungsgesetz für Frauen eingeführt und Knut Helwig hat mit den politischen Gremien das Führungspotential von Frauen erkannt. Warum nicht auch eine Frau an der Spitze von Langenforth? So hat er dann das Amt der ersten Vorsitzenden an mich abgegeben und Langenforth, ob männlich oder weiblich, stand hinter mir. 10 Jahre lang konnte ich für die Damen unter Beweis stellen, dass Frau und Mann zwar nicht gleich sind, die Qualität ihrer Arbeit aber identisch ist.  

Und heute haben die Langenforther Damen bewiesen, dass es kaum noch eine Rollenverteilung im  Schützenverein Langenforth gibt. Haben sich nicht heute die Langenforther Damen von den Langenforther Herren bedienen lassen. Und dies perfekt, was auf eine langjährige Übung schließen lässt, nämlich 50 Jahre Damenabteilung Langenforth. 

Es gibt keine Mauer mehr zwischen Damen und Herren im Schützenverein Langenforth.

Im Jahre 2009, als  Angela Merkel das Bundeskanzleramt übernommen hat, hatte Langenforth die Vereinsführung schon wieder in männliche Hände übergeben. An den Rechten der Damen hat dies, wie wir heute gesehen haben, nichts geändert. Im Gegenteil, es herrscht ein gleichberechtigtes Nebeneinander, auch wenn hier und dort der männliche Charme nicht unterzukriegen ist. Eigentlich müsste es ja für die Herren „herrlicher Charme“  heißen, ab er so weit wollen wir dann doch nicht gehen.

 Die Langenforther Damen können sich auch weiterhin darüber freuen, dass sie ein Selbstbewusstsein und einen Status im Verein entwickeln konnten, von denen ihre Mütter und Großmütter nur träumen konnten und dass in diesem Verein die Rechte der Frauen an gleichberechtigter Stelle stehen und, gerade im sportlichen  Bereich, auch weiterhin Erfolgsgeschichte schreiben.

Dem heutigen Fest wünsche ich noch einen guten Verlauf und nette Gespräche.

Alles Gute der Damenabteilung des Schützenvereins Langenforth von 1922 e. V. 


Michaela Henjes

Präsidentin 

Sportring Langenhagen e. V. 

 

 

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Donnerstag 18 Uhr - 21 Uhr

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